Rafael Leng


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Leseprobe I

Das Schwert von Wigrid Teil II

„Aber er überließ uns die Entscheidung“, erklärte Helena, „wir dachten wir könnten dir helfen, die Strapazen der Reise zu vergessen. Dass du in Ruhe über das Erlebte nachdenkst, bevor du wieder aufbrichst. Dass wir dir die wahre Natur dieses Ortes erklären, auch, dass Baldur der Gott des Lichtes, der Fruchtbarkeit ist. Die Verkörperung des Guten und der Gerechtigkeit.“
Ares konnte nicht glauben, was er hörte.
„Gott der Fruchtbarkeit glaube ich gerne, wenn ich eure ‚Kleidung‘ betrachte“, spottete Ares.
Helena schüttelte nur traurig den Kopf, „ich bringe dich zu deinen Freunden. Es tut mir leid.“
„Nein, bitte, ich lerne gerne“, entgegnete Ares, mit einem überlegenem Lächeln,
„Baldur ist also der Gott des Lichtes, umgeben von lauter ‚Engeln‘?!“
„Ich verstehe den Spott in deiner Stimme nicht“, antwortete Ophelia trocken.
„Ich spotte nicht, nur hat Baldur, um uns sicher hier herzugeleiten, eine ganze Armee von den bösartigsten Dämonen aufgeboten.“
„Ohh, das ist es. Du hast also etwas gesehen, was dich erschreckt hat, wovor du Angst hattest, und jetzt weißt du, dass dies nur ein Dämon sein kann.“
Ares wollte es nicht glauben, wie dieses Opheliawesen die Tatsachen verdrehte, auch verstand er nicht, warum er überhaupt mit einer Leiche diskutierte, trotzdem antwortete er:
„Du kennst schon den Unterschied zwischen einem Dämon und einem Engel?“
„Erkläre ihn mir bitte, denn nach deinen Worten bin ich ja ein Stück totes Fleisch, das sich nur durch einen bösen Zauber bewegt. Also auch ein Dämon.“
Ares holte tief Luft, das konnte nicht sein, dass diese Wesen, so mit den Worten spielten.
„Ein Dämon“, belehrte Ares Ophelia, „macht nur böse Dinge. Hat Lust an der Zerstörung, am Leid anderer. Das ganze muss nicht mal einen Sinn ergeben. Hauptsache es ist böse. Ein Engel …“
„Also bist du ein Dämon“, unterbrach ihn Ophelia einfach, „du schlägst Penelope die Zähne aus, mich erwürgst du fast. Nur weil du Lust dazu hast.“
Ungläubig starrte Ares Ophelia an, die ungerührt fortfuhr, „somit ist dann nach deiner Definition, jeder der selbstlos Gutes tut, ein Engel!“ Damit wandte sie sich zu Penelope und fragte, „wie nannte Baldur noch mal den Engel, der mich gerettet hat?“
„Marduk“, antwortete Penelope spontan.
„Genau“, sprach Ophelia weiter, „Marduks sind Engel!“
„Marduks sind der Inbegriff von Dämonen“, presste Ares hervor, „alleine, wenn ich an die Flammen auf dem Kopf oder die Augen denke.“
„Höre ich hier etwa Vorurteile über etwas, was ein bisschen anders aussieht und du nicht verstehst?“, und diesmal war sich Ares sicher einen spöttischen Unterton in der sonoren Stimme gehört zu haben. Auch das Lächeln von Ophelia gefiel ihm gar nicht, sie lächelte nicht mehr wie ein Tote, sondern überlegen.

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