Rafael Leng


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Leseprobe II

Das Schwert von Wigrid Teil II

Die Jagdgesellschaft bekam von alldem nichts mit. Das Pferd mit dem Weinfass wurde heran geführt und man begann zu zechen. Bragor konnte sich nicht mehr auf die Umgebung konzentrieren. Er hörte laute Diskussionen darüber, wie Nara, das Monster finden wollte. Hatte ihm doch niemand dessen Spur gezeigt, die er verfolgen musste. Je länger Nara brauchte, umso mehr trank die Gesellschaft. Besonders der König trank einen Becher nach dem anderen. Dann fing er an Edelsteine zu verteilen. Weswegen verstand Bragor überhaupt nicht. Denn auch er und Soga bekamen einen, als ob sie sich um das Königreich von Mälar verdient gemacht hätten.
„Ich bin gespannt, wie der Graf das Monster erlegt“, sagte der König mit schwerer Zunge, als er den Diamanten überreichte.
„Ihr werdet es mitbekommen“, antwortete Bragor, der längst den Mantel trug, der ihn als Herzog der Orks auswies.
Keiner aus der Jagdgesellschaft störte sich an dem ungewöhnlichen Muster und Bragor hoffte, dass die Orks hier, die alten Legenden kannten.
Nara blieb lange weg. Ohne die Orks in ihrer Nähe, hätte sich Bragor keine Gedanken gemacht. Doch als er Soga betrachtete wurde ihm wieder klar, dass beide mehr wie Elben, als wie Orks aussahen. So wie sie es gestern erst wieder erfahren hatten.
„Wie lange braucht der Graf“, unterbrach Fürst Hialprek Bragors Gedanken, „um den Bären zu töten?“
Bragor blickte den Fürsten kurz an und antwortete dann trocken, „ich bin mir ziemlich sicher, dass der Bär längst tot ist. Und der Graf auf dem Weg zu Lady Ylva und zu Lady Eskila. Um die Damen ein wenig zu unterhalten. Schließlich hat ihn niemand aufgefordert, hier her zurück zu kehren.“
Der Fürst schaute ihn erstaunt an, dann lachte die ganze Gesellschaft laut.
„Ich hoffe doch“, warf Prinz Gleipnir ein, „dass sie sich nicht nur unterhalten. Wir hätten den Grafen warnen sollen, die Damen lieben Abenteuer.“
Die Gesellschaft lachte lauter. Bragor begann sich unwohl zu fühlen. Der Geruch nach Orks wurde intensiver, plötzlich zuckte er zusammen. Lautes Brüllen erschall. Das Geräusch von brechenden Ästen und Zweigen, drang an sein Ohr. Unwillkürlich hatte Bragor sein Schwert gezogen. Griffen die Orks sie nun an?
Doch es war Nara, der scheinbar leichtfüßig auf sie zulief. Verfolgt von einer riesig großen Kreatur, die nur aus Fell und Zähnen zu bestehen schien und seine Wut hinaus brüllte.
Als Bragor die Kreatur sah, bezweifelte er, dass es sich um einen Bären handelte. Alleine die Größe seines Kiefers und die Masse seines Körpers hatten nichts mit einem Bären gemeinsam. Sie sah aus wie ein Geschöpf aus der Unterwelt, das Gestalt angenommen hatte.
Kaum hatte Nara sie erblickt, lächelte er kurz und zeigte dann, was er sich unter einer Jagd vorstellte. Was er nun voll führte, war unglaublich. Auch wenn Bragor mit so etwas gerechnet hatte, stand er mit offenem Mund da und staunte. Einen Baum als Sprungbrett benutzend, sprang der Ork, mit einer Rolle Rückwarts hinter den Bären. Während des Fluges allerdings, griff er nach dem Kopf des Bären, krallte seine Klauen fest in das Fell des Tieres und hatte mit einem Ruck dessen Genick gebrochen. Augenblicklich sackte der Bär in sich zusammen. Dass der Schwung, den toten Körper noch ein paar Meter weiter trug interessierte keinen, alle starten auf den Ork.
Nara ging gelassen zum König verbeugte sich und fragte freundlich, „habt Ihr noch so einen Bären, der Euch Probleme bereitet?“
Der König, zu überrascht um etwas zu sagen, schüttelte den Kopf. Auch die anderen Jäger konnten immer noch nicht glauben, was sie gesehen hatten. Sie blickten zu Nara, dann zum Bären und wieder zu Nara. Der sich nicht mehr um die anderen kümmerte, sondern seine Waffen von Soga und Bragor abholte und mit seiner Hand einen kleinen Kreis in der Luft zeichnete. Bragor verstand das Zeichen. Die Orks hatten sie umstellt.
„Meinst du die wissen, wer Ihr seid?“, fragte Bragor, dem es egal war, ob die Jagdgesellschaft sie hörte.
„Ich habe mich mit ihnen bestens unterhalten. Sie warten auf uns.“

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