Rafael Leng


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Schuld

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Als Diana den Garten betrat und die Ruinen im Licht des Mondes liegen sah, blieb sie erst einmal stehen und atmete tief durch. Es war immer noch über dreißig Grad und das mitten in der Nacht. Aber jetzt war sie hier.
Burg Kelt, sie hatte alles darüber gelesen, was es zu lesen gab. Keine ihrer Quellen konnte sagen, wann die Burg gebaut worden war. Die Burg war schon alt, als die ersten Affen von den Bäumen kletterten, um Menschen zu werden. Auch hatte sie Freya nicht alles gesagt und die Wahrheit ein bisschen verdreht. Denn Diana wusste, dass die Ruinen der Burg verflucht waren. Nicht die Verwaltung von Burg Kelt, sondern die Universität hatte Abstand genommen, die Ruinen zu untersuchen. Denn die Gemeinde war an der Lösung des Rätsels um die Burg interessiert. Schließlich hatte man eine Menge Geld in die Restaurierung gesteckt. Doch Professor Black hatte nach einem Gespräch mit ihr entschieden, dass die Ruinen nicht untersucht werden und ihr schließlich verboten, noch einmal mit ihm darüber zu reden. Dabei hatte sie ihrem Chef noch nicht einmal alles gesagt, was sie über die Burg heraus gefunden hatte. Diana wusste, dass Black ihr sofort kündigen würde, wenn er erfuhr, dass sie hier war und dann auch noch nachts. Aber dies war egal. Ein Gefühl, das sie sich selbst nicht erklären konnte, hatte von ihr Besitz ergriffen. Als würde die Burg und die Ruinen ihr gehören. Für sie vor Äonen gebaut worden, um sie zu ehren und dann durch eine dunkle, böse Macht, wieder von ihr genommen. Sie wollte es genau wissen.
Langsam jeden Schritt ihrer nackten Füße genießend ging sie auf die Ruinen zu. Als sie Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, machte sie die erste Skizze. Sie zeichnete nur die Umrisse, einen Strich für einen Turm, einen Halbkreis für Fenster und Tore. Sah sich alles genau an. Die Ruinen erinnerten sie im Mondlicht an das Skelett eines Fabelwesens. Der Kreuzgang, der an der Burgmauer entlang führte, war das Rückgrat. Die eingestürzten Gebäude daneben, die Rippen. Diana ging direkt zum Turm der Stürme, der größten noch halbwegs intakten Ruine.
Als sie den Turm betrat, begann sie zu frösteln. Es war kalt. Dabei hätten sich die Steine genauso aufheizen müssen wie der Rest der Burg. Sie merkte sofort, dass die Kälte nichts mit mangelnder Bewegung von Luftmolekülen zu tun hatte. Sondern, dass es einen anderen, bösen Grund dafür gab. Auch verschluckte die Ruine schnell das spärliche nächtliche Licht, das von draußen hereinfiel. Diana lies sich nicht irritieren. Dies war ihre Burg. Und wer immer für den Diebstahl verantwortlich war, würde dafür zahlen. Sie ging weiter. Noch brauchte sie kein zusätzliches Licht. Sie sah die dicke Staubschicht auf dem Boden, ein paar größere Steine, über die man leicht fallen konnte. Werkzeuge und Material der Bauleute, die Hals über Kopf aus der Burg geflohen waren, stand noch herum. Deutlich war die Treppe zu erkennen die zum Keller und zum Turm führte. Diana ging zur Treppe, dabei fühlte sie den eisigen Luftzug, der einem Sturm gleich aus dem Keller hinauf zog, entgegen den physikalischen Gesetzen, die sie kannte. Eine innere Stimme sagte ihr, dass das Geheimnis der Burg im Keller zu finden war. Ohne zu zögern, stieg sie die Stufen langsam hinab. Mit jedem ihrer Schritte, fühlte sie, dass die Warnungen über die Ruinen nicht unbegründet waren. Die Gebäude waren nicht baufällig, sondern nach all den Jahrtausenden immer noch stark und wehrhaft. Doch da war noch etwas anderes. Etwas, das auf sie wartete, dass nicht zur Burg passte. Etwas, das die Burg beleidigte. Dass von ihr, Diana, vernichtet werden musste. Diana wusste dass sie sonst nie Ruhe finden würde.
Am Fuß der Treppe erblickte Diana einen langen Gang, von dem links und rechts Zellen abgingen. Am Endes des Ganges sah sie einen großen Saal, in dessen Mitte ein Altar stand. Doch auf einmal schrie etwas in ihr, sie solle sofort kehrt machen und niemals mehr zurück kommen. Sonst würde sie nicht nur Schaden am Körper, sondern auch an ihrer Seele nehmen. Die Warnung ignorierend ging Diana weiter. Immer nur einen kurzen Blick in die Zellen werfend. Je weiter sie sich dem Saal näherte, umso lauter schrie die innere Stimme auf. Diana war verwirrt. Auf der einen Seite zog es sie zum Saal, auf der anderen Seite wusste sie, dass sie ihn auf keinen Fall betreten durfte. Doch warum, wusste sie nicht. Diana blieb stehen, machte ein paar Notizen und ging dann weiter. Erstaunt stellte sie fest, dass je weiter sie sich dem Saal näherte, der Altar immer schlechter zu sehen war. Ihre Beine immer schwerer wurden. Sie sich schließlich mühen musste, ein Bein vor das andere zu setzen. Als würde ihr Körper sich weigern, in diese Richtung zu gehen.
Als Diana den Saal schließlich betrat, fühlte sie sich krank. Ihr war schwindelig und das Atmen fiel ihr schwer. Den Altar nahm sie kaum noch wahr. Sie wusste nicht wieso, doch dort hin wollte sie noch gehen. Als hätte eine fremde Macht es ihr befohlen. Obwohl alles in ihr schrie, sofort umzukehren und den Saal so schnell wie möglich zu verlassen. Mühsam quälte sie sich vorwärts. Als Diana den Altar endlich erreicht hatte, musste sie sich erst einmal auf ihm abstützen. Sie atmete tief ein und aus. Sie hatte das Gefühl, als sei sie einen Marathon gelaufen. Auf den letzten Metern war ihr das Atmen immer schwerer gefallen. Doch auch hier am Altar konnte sie kaum Luft holen. Etwas hatte sich auf ihre Lungen gelegt und versuchte sie zu ersticken. Mühsam richtete sie sich auf, um den Brustkorb zu strecken, damit sie besser atmen konnte und erschrak. Vom Eingang aus hatte sie das Ende des Saales noch gesehen, sie hatten den ganzen Raum überblickt. Doch jetzt befand sie sich auf einmal in einem riesig großen dunklen Saal, dessen Wände sie nicht einmal sehen konnte. Sie kam sich auf einmal klein und bedeutungslos vor. Hinzu kam ein dumpfes Gefühl auf den Ohren, sie konnte nicht richtig hören. Sie musste sofort hier raus, doch war sie nicht mehr in der Lage sich zu bewegen. Sie hielt sich am Altar fest und war froh, überhaupt noch atmen zu können.

Der Zyklus ist vollbracht
Das Teufel fast erwacht

Den ewigen Kampf wird ES wieder seines nennen
Den Verräter wird ES als erstes vernichten
Dann wird ES den Blick auf alte Feinde richten
Zu Scharen werden diese in die Schlacht Rennen

Um zu vollenden, was ES einst begonnen
Das Teufel kämpft gewohnt alleine
Treue und Freunde hat es keine
Nur eine Sklavin hat ES als sein Eigentum ersonnen

Die gütigste lud ES zu sich ein
Die Folter ist des Teufels Glück allein
Machte die Hölle zu ihrem Heim
Die Hohepriesterin genoss die Pein

Vergessen ist all der Liebreiz von ihr
Sie wird beherrscht von Hass und Gier
Mit Freude gibt sie für das Teufel ihr Leben hin
Dies ist ihr einziger Lebenssinn

Ihrer Kinderahnen sind der vielen
Die Doppelköpfige Schlange sie zu ihrem Wappen erkoren
Tod und Vernichtung sie auf ihre Flaggen schrieben
Ihre Feinde waren vor der Schlacht schon verloren

Die letzte Tochter aus dem Hause wird es richten
Ein Feind wird sie vernichten
Das Teufel ist dann bereits erwacht
Tod und Zerstörung ES sich zu seiner Aufgabe macht


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